Blog: Lockdown-Zwischenstand

Seit Dienstag haben wir nun also einen "harten" Lockdown. Es wäre aber verfrüht, jetzt bereits Rückgänge der Neuinfektionen aus dieser Maßnahme zu erwarten.

Der erste Lockdown wurde am 16. März 2020 gestartet. Die höchste Zahl an täglichen Neuinfektionen hatten wir mit einer vergleichsweise geringen Anzahl von 1050 am 26. März, also 10 Tage später. Wir müssen somit auch jetzt davon ausgehen, dass wir das Ergebnis des aktuellen "harten" Lockdowns erst kommende Woche (Richtung Wochenende) sehen werden.

Die aktuelle Stabilisierung der Infektionszahlen auf einem leider recht hohen Niveau ist noch das Ergebnis des vorausgegangenen "weichen" Lockdowns. Die 7 Tages-Inzidenz (Durchschnitt der Neuinfektionen der letzten 7 Tagen pro 100.000 Bewohner) in Österreich ist nun ein klein wenig von etwas über 500 auf 480 gesunken. So lange allerdings die täglichen Neuinfektionen im vierstelligen Bereich sind, werden täglich Neupatienten im zweistelligen Bereich eine intensivmedizinische Versorgung benötigen. Bei den recht langen Intensivaufenthalten von COVID-19 Patienten wird es bis Ende kommender Woche für unsere medizinische Versorgung schwer kranker Menschen doch recht eng werden. 

Somit dürfen wir mit einer Trendwende erst etwas mehr wie eine Woche vor dem im Moment noch geplanten Ende des laufenden Lockdowns rechnen. Bis dahin wird die Situation in unseren Krankenhäusern eine mehr wie angespannte sein. Das System gerät an seine Belastungsgrenze. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich in der darauf folgenden letzten Woche des Lockdowns an dieser Situation irgendetwas gravierend ändern wird.

Von daher verstehe ich auch die aus der Not geborene Idee der Regierung mit Massentests der Bevölkerung mittels Antigen-Schnelltests. Um zumindest eine kleine Chance zu haben, den Lockdown zum geplanten Termin mit 8. Dezember (zum Weihnachtsgeschäft) aufzuheben. Und um die Geschäfte zumindest bis über Weihnachten offen zu halten.

Wenn ich auch nur mit 80% Sensitivität der Tests rechne, so finde ich doch 4 von 5 COVID-Infizierte und kann verhindern, dass diese die Erkrankung im Bekanntenkreis, in der Arbeit oder in der Schule weiterverbreiten. 

Allerdings sehe ich hier zwei Probleme:

1) die teilweise nicht vorhandene Bereitschaft in der Bevölkerung, mitzumachen. Ich hatte gestern Abend auf Facebook eine Diskussion mit einer Dame, welche meinte, sie wird sicher keinen Schnelltest machen. Wenn sie positiv wäre müsste sie ja dann bis Weihnachten in Quarantäne. Dass sie andere anstecken könnte ist ihr egal.

2) das größere Problem sehe ich in der Organisation: es gilt, in wenigen Tagen einige Millionen Menschen zu testen. Abgesehen davon, dass derzeit kaum Antigentests am Markt erhältlich sind (hoffentlich vom Bund aufgekauft), ist es eine enorme Herausforderung, täglich mehrere hunderttausend Menschen zu testen. Ohne enorme Wartezeiten - weil diese die Motivation sich testen zu lassen, nochmals deutlich senken würden. 

Angenommen eine Teststraße schafft alle 2 Minuten einen Test (mit ausreichend Personal zur Datenaufnahme, Testentnahme, Testdurchführung und Testeingabe bzw. Bescheiderstellung) und arbeitet 12 Stunden am Tag mit wechselnden Teams durch: dann schafft diese Teststraße gerade einmal 360 Tests täglich. Angenommen, die Tests sollten in einer Woche fertig sein, und angenommen, etwas weniger wie die halbe Bevölkerung lässt sich testen, so bräuchten wir in Österreich 1.500 solcher Teststraßen. Die Regierung hat von heute weg noch 2 Wochen Zeit. Ich würde diese Maßnahme zumindest einmal als ambitioniert bezeichnen. Wenn ich mir im Gegenzug die Überforderung unserer Behörden mit den aktuellen paartausend positiven Fällen täglich ansehen, dann melden sich bei mir doch Zweifel, wie das ganze funktionieren soll und wird.